Porta Macedonia in Leipzig

 

Veljanov in Leipzig @ Theater Fabrik am 14.02.2009

Man muss leicht bekloppt sein, wenn man freiwillig sich am 14.02. in Dresdens Innenstadt aufhält. Okay, manche sind mutig und gehen gegen die aus ganz Europa angereisten Nazis demonstrieren, aber dafür habe ich weder Mumm noch Lust. Ich flüchtete lieber aus der Festung Dresden, die in eine Art Kriegsschauplatz umgebaut war, mit Panzerwagen, Hundertschaften, Wasserwerfern, stillgelegten Straßenbahnlinien und so weiter. Gruselig war es. Ich hatte schon letztes Jahr auf dieses Vergnügen gern verzichtet als ich nach Kambodscha gereist war.


Diesmal nahm ich Sack und Pack, um nach Leipzig zu Daniela (Schnecke) und Andreas (Slati) zu fahren. Wir wollten uns gemeinsam den Herrn Veljanov mitsamt seiner Band und seiner Präsentation des Albums Porta Macedonia zu Gemüte führen. Die Erwartungen sind nicht da, denn das Album war jetzt ehrlich gesagt nicht so der Brüller, deswegen ließen wir uns allesamt überraschen. Ich für meinen Teil hoffte auf die Livequalitäten der Band, die ich noch nicht kannte.


           
            

Andreas (slati) + Daniela (Schnecke)    Jürgen (Bleekman)                                Schnecke und ich



Ich wollte mir Veljanov zweimal geben. Einmal in Leipzig und einen Tag später in Dresden. Ich hate es mir nach dem ganzen Facharbeitsstress und der ausgestandenen Grippe verdient. Da kam ich ja nun nicht wirklich unter die Menschen, auch wenn ich mir Ausreißer durchaus immer leistete.


In Leipzig angekommen wurde ich von Slati und Schnecke am Bahnsteig abgeholt. Was für‘n Service. Nachdem Slati eine Tagesfahrkarte gekauft hatte, fuhren wir mit der nächsten Straßenbahn 4 nach Stötteritz zu Schneckes schuhfreien Wohnung. Dort lästerten wir uns fröhlich für Herrn Veljanov warm und beschlossen gegen 17 Uhr zu einem Asia Restaurant nahe der naTo zu fahren. Es gab dabei nur einen Haken, das gewünschte Restaurant existiert gar nicht mehr. So versackten wir beim Mexikaner „Acapulco“ nebenan. Die Burritos schmeckten gut, aber für die lahmarschige Bewirtung gab es Abzüge in der B-Note. Jürgen a.k.a. Bleekman holte uns von dort ab ... allerdings erst nach dem die Frauen ihrer Schöpfung sich sämtliche Gliedmaßen weggefroren hatten.


Das Navigavi von Jürgen führte uns recht sicher mit einigen Umwegen zur Theater Fabrik. Wir hatten im Vorfeld gewettet, dass nicht mehr als 5 Mann zum Konzert kommen würden, aber dem war nicht so. Es waren bereits 19 Uhr schon ungefähr 50plus Menschen im Etablissement. Wir quatschten vor dem Konzert noch kurz mit Dea und Queeny und dann entschieden wir uns, mit Bier bewaffnet, dem Konzert in der Nähe des Mischpultes beizuwohnen, weil da der Sound meist am Besten ist und wir ja eh wissen, wie der Maestro aussieht. Ja ja ich weiß, dass das etwas abfällig klingt, aber es ist eine Tatsache.


Der Mann hatte es definitiv nicht leicht mit uns als kritische beiläufig lästernde Colour-izlern. Die Frisur saß trotzdem und vor allem die Band war bestens drauf. Da half auch das beste Lästern nicht. Es stimmte einfach. Die Band war und ist göttlich. Besonders der Schlagzeuger Slobodan.


Für uns beiden Damen Schnecke und mich waren definitiv „My Vita“, „Der Kongress“ (womit Veljanov seine Show begann) und „Zwei Schritt vor und drei zurück“ am schlimmsten zu ertragen.  Das Lästern war jedenfalls hochwertig existent. Da half auch die gute Band nichts. Es klang auch live für uns beide etwas zu breiig und öde.


„Königin aus Eis“, was als Darktechnodingens daher kommt, war und ist auch nicht unser Bier. Aber es besticht jedoch durch die Entertainmentqualitäten des Schlagzeugers und man schlief wenigstens beim Hören nicht ein. Das „Nie mehr“ vom neuen Album war weitaus besser als von Scheibe, aber „Mein Weg“ klang wieder eher wie zum Weglaufen produziert. Sorry, aber dem ist nun mal leider so. Schade eigentlich.


Die Highlights des Konzertes waren definitiv die alten Stücke, die der Herr Veljanov spielte. „Fly Away“ war davon das Schönste, weil Schnecke und ich es uns nicht nehmen ließen, dazu uns freundlicher Weise zum kompletten Löffel machen zu lassen, indem wir ausgelassen dazu tanzten und unsere Arme voll prollig zum Refrain in die Himmel reckten und hin und her schwenkten.


“Black Girl“ fand ich sehr gut gecovert, wobei festgehalten werden muss, dass das Publikum nach diesem Lied erstmalig frenetisch angehaucht applaudierte. Dabei waren zuvor schon 7 oder 8 andere Stücke gespielt und diese waren allesamt vom neuen Album. Das fand ich allerdings schon sehr bedenklich.

„Seraphim“ kam etwas textunsicher daher, aber was soll‘s. Es was sehr schön dieses Lied hören zu dürfen. Ebenso wie „The Man with the silver gun“, wobei ich bis heute noch nicht weiß, was dieses tuten im Song bedeutete. Nun ja, künstlerische Freiheit, aber mich würde es trotzdem interessieren, was der Künstler damit wohl meint.


Mmh, ganz umsonst war es nicht, nach Leipzig gefahren zu sein, zumal ich nun ein paar Colour-izler mehr kennengelernt habe und wieder getroffen habe. Die Band von Veljanov ist recht gut. Einige Songs müssten wirklich nicht gespielt werden und den ein oder anderen Spruch hätte sich der Herr auch sparen können. Wie sagte es Bleekman so schön: „Der Kerl soll singen und die Klappe halten.“


Nach dem Konzert kaufte ich mir ein Sweatshirt und es gab die Colour-ize Gedenkfotos und Bleekman fuhr uns mithilfe vom Navigavi und ein paar Umwegen zur Wohnung von Schnecke zusammen mit Slati und mir. Dafür werde ich ihn bis in alle Ewigkeiten danken, denn draußen war es echt bitterkalte Nacht.


ein Tag später Dresden




                                                   


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